Neue Abenteuer der Lillimaus

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Eigentlich zählen sie schon zu den Kinderbuchklassikern, die Abenteuer des überaus starken Willibald. In der 1983 erschienenen Geschichte aus der Feder des bekannten Jugendbuchautors Willi Fährmann,

der gerade mit dem NRW Verdienstorden ausgezeichnet wurde, geht es um einen recht autoritären Mäuseboss. Der lebte mit seinem Mäuserudel in einem Haus, in dem man viel Spaß haben konnte. Schade nur, dass so wenig Zucht und Ordnung unter den Mäusen herrschte, fand Willibald. Und wusste nur zu gut Abhilfe zu schaffen: Er schürte die Angst vor einem geheimnisvollen Feind, zum Beispiel vor einer Katze, die eine ständige Gefahr für das Rudel darstellte, und sorgte für Disziplin. Ließ die Mäuse marschieren und Parolen rufen, organisierte sich zwei starke Helfer, die ihm zur Seite standen und jeden aufkeimenden Widerspruch abwürgten: die dicke Hermannmaus und den schlauen Mäusejosef.

 

Fährmann Lillimaus

Zwei Mäuse allerdings gab es in seinem Rudel, die sich nicht einschüchtern ließen: den Mäusephilipp und die weiße Lillimaus, die so ganz anders aussah als alle anderen Mäuse. Ob die zwei  überhaupt zum Rudel gehörten?
Wer sich bei dieser Tiergeschichte für Kinder ab acht Jahren an die Machtergreifung durch Hitler, an Goebbels und Göring und die Judenverfolgung erinnert fühlt, hat vollkommen recht. Willi Fährmann ist vor mehr als 25 Jahren ein Buch gelungen, das kindgerecht die monströse Konstruktion des Nationalsozialismus widergibt. Wer mag, kann seinen Kindern einfach eine Tiergeschichte vorlesen, wer aber darüber hinaus seinen Kindern exemplarisch erklären will, wie Hitlers System funktionieren konnte, hat auch dazu Gelegenheit. Fährmann gab seiner Geschichte damals ein Happy End: der überaus starke Willibald wurde entthront und musste fliehen. Den Mäusephilipp aber zog es hinaus in die Freiheit - und was wurde aus der Lillimaus?

 

„Ob die Lillimaus ihren herzlieben Mausephilipp wiedergefunden hat, das muss ein andermal erzählt werden“, heißt der letzte Satz des Buches.

„Zu dieser Frage haben mir die Kinder im Lauf der Jahre Hunderte von Briefen geschrieben“, erzählt der Xantener Autor, der jetzt im Arena Verlag die Fortsetzung der Geschichte vorgelegt hat. „Die Abenteuer der überaus starken Lillimaus“ heißt der Titel denn auch folgerichtig, in der die Geschichte des Mäuserudels und der Titelheldin wieder aufgegriffen wird. Dass nicht alles glattgeht mit der Lillimaus und dem Rudel, liegt natürlich auf der Hand. Auch und gerade eine mühsam errungene Demokratie muss gegen neue und alte Feinde verteidigt werden – und ob die Lillimaus tatsächlich ihren Mausephilipp wiederfindet? So viel sei verraten: In gewohnter Manier erzählt Fährmann die Geschichte auf fesselnde Weise weiter, und es gibt ein Wiedersehen mit einigen alten und Begegnungen mit neuen Mäusehelden. Also: Lesen!

 

Willi Fährmann,
Die Abenteuer der überaus starken Lillimaus
Arena Verlag 2011
ISBN 978-3-401-06761-2
EUR 13,99

 

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Sich ein Buch zu leihen, ist eine sehr leichte Art, mit einem Mädchen Verbindung zu bekommen. - Sören Kierkegaard